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Studium/

Mein Uni-Leben

Lebst Du noch oder studierst Du schon? 

 

Die Meisten von Euch kennen mich wahrscheinlich schon (oder noch): Nach einigen Chaos-Jahren als Überlebenskünstler bin ich seit Herbst 2006 Student. Es hat mich an die Ruhr-Uni Bochum verschlagen (ich erwähne jetzt hier mal ganz bewusst nicht die Selbstmordstatistik...) und ich bin dort rundum zufrieden. Mit meinen mittlerweile 27 Jahren gehöre ich da wohl eher zu den Spät-Berufenen, liege in meinem Studiengang, Psychologie, B.Sc., allerdings ziemlich im Alterstrend.

So, und da Ihr natürlich alle schon wisst, dass Ihr unbedingt auch studieren wollt, weil Ausbildung voll doof ist und überhaupt kann man da viel länger schlafen (ha!) und Geld verdienen will ja eh noch keiner, wären wir auch schon beim ersten Tagesordnungspunkt:

 

Zulassung

Tja, warum sind denn meine lieben Kommilitonen alle schon so alt? Weil einfach kein normal entwickelter Mensch Lust hat ein Abitur mit 1,2 abzulegen (Falls Ihr das doch geschafft habt Herzlichen Glückwunsch! Und falls Ihr Euch für ein Fach ohne Zulassungsbeschränkung entschieden habt: Vergesst den ganzen Absatz und fahrt fort mit Punkt 2) und dann braucht man eben einen langen Atem (alias: Wartesemester). Für die allermeisten NC-Studiengänge muss man sich über die ZVS bewerben (www.zvs.de). Da empfiehlt es sich immer die Bewerbung mit einem Härtefallantrag zu dekorieren (wenn man so wie so grad schonmal Rheuma hat...). Es ist zwar nicht gesagt, dass der anerkannt wird, aber: Auf jeden Fall versuchen. Durch die Bachelor/Master-Reform gibt es momentan oft die Chance, dass ZVS-Verfahren zu umgehen. Einfach prüfen, welche Uni evtl. schon den neuen Abschluss anbietet (wenn das nicht zu viele sind, läuft die Bewerbung dann nämlich über die Uni selber. Die sind meist kulanter mit den Härtefallanträgen als die ZVS).

Eine gute Idee ist es auch, sich die WunschUni vorher mal anzusehen. Gerade für RolliFahrer oder nicht ganz so Mobile kann es wichtig sein, dass alles gut erreichbar ist. Eine gute Bahn-oder Busverbindung gibt es ohnehin meistens, und dank der guten Arbeit der Studentenwerke sind die meisten Unis mittlerweile auch barrierefrei. Wenn Ihr für solch eine Besichtigung eine weitere Anreise habt, könnt Ihr Euch diese u.U. bezuschussen lassen (siehe auch www.studentenwerke.de da findet der geneigte Studi so ziemlich alle gestezlichen Regelungen, unbedingt anklicken). Generell ist zu empfehlen, gerade bei einem Studiengang mit mehreren Fächern, eine CampusUni auszusuchen. Sicherlich ist es auch Geschmackssache, aber wenn Euer Anglistik-Seminar am einen Ende der Stadt ist und 30 min. später beginnt die Sinologie-Vorlesung am anderen Ende der Stadt.... naja.... wer's mag.

 

Ich unterstelle, dass wir bis jetzt also alle unseren gewünschten Studienplatz gekriegt haben (Herzlichen Glückwunsch!) und mache mal weiter mit Tagesordnungspunkt 2:

 

Und Nu?

Es gibt an jeder Uni (damit meine ich jetzt mal offiziell auch alle Fachhochschulen, Kunstakademien....usw, bevor mir hier noch irgendeine Diskriminierung von Minderheiten vorgeworfen wird) in irgendeiner Form einen Behindertenbeauftragten. Bei uns gibt es vom Akademischen Förderungswerk eine Beratungsstelle für chronisch kranke und behinderte Studierende. Ich kann jedem nur empfehlen dort hinzugehen. Ihr seid dort auch willkommen, wenn Ihr nicht blind und gehörlos, pflegebedürftig im Rolli sitzt, sondern auch, wenn Ihr ein ganz normaler DurchschnittsRheumatiker seid, dem die meisten Menschen wahrscheinlich nicht zwingend eine Erkrankung ansehen (das gilt übrigens auch für alle anderen Situationen, die ich hier gleich noch anspreche). Die Leute in der Beratungsstelle an Eurer Uni wissen am besten, wo welcher Aufzug welche Treppe umgeht und wo ihr den Schlüssel dafür herkriegt. Außerdem wissen die auch am besten, wie es bei Euch vor Ort mit den (Achtung: Tagesordnungspunkt 3)

 

Studiengebühren

aussieht. Bzw. mit der Befreiung davon. Lasst Euch nicht abschrecken, von komischen Juristen-Texten und von dem Gedanken: So krank bin ich doch nicht. Spielt keine Rolle! Ihr könnt bares Geld sparen, also: Antrag stellen (meiner wurde auch bewilligt, obwohl ich nicht zu den Schwerstbetroffenen gehöre). Und gleich weiter im Text mit Tagesordnungspunkt 4:

 

Tagesablauf

Geht's noch?? Ihr seid erwachsen! Wann Ihr morgens aufsteht müsst Ihr langsam mal selber entscheiden und die unfallfreie Nutzung einer Zahnbürste setze ich jetzt auch vorraus.

Im Ernst, hier kann ich eigentlich nur loswerden, was in jedem Ersti-Survivalguide steht:

Einfach durchhalten und erstmal nicht schreiend nach Hause rennen! An der Uni sind erst mal alle neu und alleine und hilflos, also einfach durchfragen und wenn Ihr irdendwo Hilfe braucht: Einfach Bescheid sagen! Bescheid sagen müsst Ihr dann auch möglichst bald bei Eurem Prüfungsamt. Das kümmert sich um Tagesordnungspunkt 5:

 

Prüfungen

(Heisst ja auch schließlich „Prüfungs“amt.) Die regeln den Klausurablauf usw. und da kann es für Euch interessant werden. Wenn ihr z.B. keine langen Texte mit einem Stift schreiben könnt... tja... dann wird das mit der Klausur erstmal schwierig. Überlegt Euch also welche Hilfen ihr braucht (z.B. mehr Zeit, ein Notebook, einen HiWi, dem Ihr Euren Text diktiert, vielleicht wollt Ihr lieber direkt eine mündl. Prüfung machen) und beantragt diese genau dort. Es gibt einen gesetzl. geregelten Nachteilsausgleich und die Unis sind verpflichtet für Euch Prüfungsmodalitäten zu schaffen, die Euch eine problemlose Teilnahme am Studium ermöglichen. Ich habe einfach einen Röntgenbefund und meinen Bescheid vom Versorgungsamt dort abgegeben und gesagt, dass ich ein Notebook brauche und doppelt so viel Zeit. War überhaupt kein Problem. Denkt nur dran, ca. 10 Tage vor einer entsprechenden Prüfung Eure Dozenten noch mal entsprechend zu informieren, da man sich auf die reibungslose interne Kommunikation solcher Entscheidungen leider nicht immer verlassen kann. Auch sonst, wenn Ihr in irgendwelchen Veranstaltungen Schwierigkeiten habt (z.B wegen KH-Aufenthalt die Hausarbeit nicht pünktlich abgeben könnt oder leider das 3. Mal fehlen musstet) sprecht Eure Dozenten an! Das sind ganz normale Menschen (meistens) die in den allermeisten Fällen die Schikane-Regelung mit den 2 Fehlstunden ganauso blöd finden wie Ihr. Und bei den meisten (zumindest bei uns) ist es nach kurzer Info und ggf. Krankmeldung vorlegen auch kein Thema ein 3. Mal zu fehlen.

Tagesordnungspunkt 6

 

Sonstiges

Genug schlafen, gesund ernähren und Genießen!

Ihr dürft studieren!

(Ich schreibe das mal so deutlich, weil man dass im Alltagschaos leider oft vergessen kann)

Nutzt einfach die Chancen, die Euch die Uni bietet und nehmt alles mit, was angeboten wird (mal hin und wieder freiwillig ein ForschungsKolloq oder gar einen Kongress besuchen oder für einen Hungerlohn ein Tutorium geben kann definitiv den Horizont erweitern und wer keine Lust auf Horizonterweiterung hat, der ist an der Uni eh falsch!). Natürlich solltet Ihr auch die günstigen Getränkepreise auf den Juristen-Partys ausnutzen (kann ja schließlich auch das Bewusstsein erweitern... ähemm...)...

Da das gerade auch wieder Thema ist, noch ein paar Infos zur Bachelor/Master-Reform (ich kann hier nur für mich und meinen Studiengang sprechen, höre aber von vielen, dass sie ähnliche Erfahrungen machen). Momentan stellt es sich so dar, dass der Bachelor-Studiengang mit erheblich mehr Anwesenheitspflicht und erheblich permanterem Leistungsdruck verbunden ist. Es ist letzten Endes Geschmackssache, wer wie besser arbeiten kann. Falls Ihr zu den schwer chronisch Kranken gehört, kann es aber sicherlich Sinn machen, wenn Ihr die Möglichkeit eines „alten“ Abschlusses in Erwägung zieht und ein Studium nach alter Prüfungsordnung studiert.

Bleibt mir nur Euch allen die Daumen zu drücken, dass Ihr die passende Uni mit dem passenden Fach findet (oder schon gefunden habt).

Wem das hier jetzt zu kurz und zu knapp war: Für weitere Infos einfach melden und fragen!

 

 

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