Total von der Rolle!

Dehnen und stretchen für die bessere Beweglichkeit fand ich früher überflüssig. Doch als ich im März 2014 mit der Rheuma-Liga Arbeitsgemeinschaft Böblingen/Sindelfingen eine Schulung mitmachte, änderte sich dies schlagartig. Darin ging es um das sogenannte Faszientraining, den Umgang mit der Black-Roll und verschieden großen Bällen. Die Black-Roll ist eine Faszienrolle, eine schwarze Kunststoffrolle zur Selbstmassage.

Unser Schulungsleiter erklärte uns zunächst die Funktion und den Aufbau der Faszien. Die Faszien umgeben alle unsere Organe, Muskeln und Knochen, sie sind mit den Bändern, Nerven, Gelenkkapseln und der Knochenhaut verbunden. Sie halten den gesamten Körper zusammen und sorgen dafür, dass alles an Ort und Stelle bleibt. Faszien bestehen zu einem Großteil aus Wasser mit Nährstoffen und verhindern die Reibung bei Bewegungen. Spezielle Übungen sollen Verklebungen und Verfilzungen lösen. Das Faszientraining konzentriert sich auf die Muskelfaszien und soll dazu beitragen, Probleme und Schmerzen des Bewegungsapparats zu lindern oder vorzubeugen. Übungen mit der Faszienrolle können sogar schmerzende Narben mindern und sie geschmeidiger machen. Die Übungen haben Ähnlichkeiten mit Pilates, Yoga und anderen Dehnübungen. Man sollte aber unbedingt darauf achten, nicht zu stark über die Schmerzgrenze zu gehen.

Faszienübungen können die Grundhaltung und die Balance zwischen den einzelnen Muskeln positiv beeinflussen und vorbeugen. Ein regelmäßiges Training schult die Koordination und die Körperwahrnehmung. Soweit die Theorie – dann folgte im Seminar die Praxis. Zunächst war ich skeptisch, habe aber brav alle Übungen mitgemacht, die meine körperliche Verfassung zugelassen hat. Im Vorfeld sollten wir uns alle aufstellen und messen, wie tief unsere Hände beim Vorbeugen noch über dem Boden schwebten. Nach den Übungen haben wir das wiederholt: Zu meinem großen Erstaunen kam ich mit meinen Händen fast zehn Zentimeter tiefer! Das hat mich überzeugt. Seitdem binde ich Dehn- und Faszienübungen in mein wöchentliches Übungsprogramm im Fitness-Studio ein. Andere Besucher schauen manchmal etwas komisch, wenn ich meine Faszienrolle auspacke, aber das ist mir egal – mir hilft es. Letztens habe ich auch einen anderen Besucher im Fitness-Studio bei seinen Übungen mit der Faszienrolle beobachten können.

Faszienrollen gibt es in verschiedenen Ausführungen und Preisklassen zum Beispiel im Sanitätshaus oder Sportbedarf-Läden. Wer sich nicht gleich eine Rolle zulegen will, kann erst mal folgende Alternativen ausprobieren: Zwei Tennisbälle in eine alte Socke stecken und diese zuknoten oder ein Nudelholz benutzen. Viel Spaß beim Ausprobieren!

Ines Brodbeck ist Mitglied im Ausschuss Junger Rheumatiker.