Wenn aus Freundschaft Liebe wird: Dates, Partnerschaft und das dritte Rad am Wagen - Rheuma!

Ein Date bedeutet für jeden etwas anderes. Ich setze mich vor einem Date mit folgenden Fragen auseinander: Was zieh ich an? Was unternehmen wir? Über was werden wir sprechen? Vermutlich bin ich damit nicht alleine, wenn ich mich verrückt mache mit meinen Gedanken. Ich studiere vollständig meinen Kleiderschrank, um dann mit Entsetzen festzustellen, dass ich nichts Richtiges zum Anziehen habe. Doch als Rheumabetroffene stelle ich mir dazu noch andere Fragen: Wann ist der richtige Zeitpunkt, über meine Krankheit zu sprechen? Gibt es diesen richtigen Zeitpunkt überhaupt – und wann ist der?

Humpelnd zum Date

Als ich meinen neuen Partner kennengelernt habe, hatte ich eine starke Hüft- und Leistenentzündung und dazu noch Knieschmerzen. Ich konnte kaum laufen und bin gehumpelt. Als wir uns das erste Mal trafen, konnte ich das natürlich nicht verstecken. Ich hab mir so meine Gedanken gemacht. Da ich aber nur auf Freundschaft aus war, war es mir gleichgültig, dass ich eine Jogginghose trug und fürchterlich schlecht auftreten konnte. Ich dachte mir, wenn er fragt, wieso ich so komisch laufe, würde ich es ihm sagen. Hab ich ja schließlich schon hundertmal machen müssen. Er fragte gar nicht viel, als ich es ihm erzählt habe. Warum auch – keiner von uns war auf irgendetwas aus. Doch etwas begann sich zu entwickeln, in eine Richtung, mit der keiner von uns zu Beginn gerechnet hatte. Ich bekam Angst und fragte ihn mehrere Tage, ob es für ihn wirklich okay sei und er damit zurecht kam. Plötzlich begann ich mir Sorgen darüber zu machen, ob ich ihn nicht zu sehr belasten würde.

Das Rheuma nicht unterschätzen

Im Vorfeld dieses Artikels haben wir unsere bisher gemeinsame Zeit Revue passieren lassen. Mein Freund meinte, wenn er von Anfang an das Wissen gehabt hätte, das er heute hat, wäre er nicht so leichtfertig mit der Krankheit umgegangen. Er hat das Rheuma im Allgemeinen unterschätzt und musste einiges dazulernen. Natürlich soll das nicht heißen, dass jemand vorher Medizin oder gar Rheumatologie studiert haben muss. Auf der anderen Seite sollte der Freundeskreis und vor allem der Partner schon wissen, dass sich die Erkrankung nicht nur auf einzelne Phasen auswirkt, etwa bei einem Schub. Rheuma ist unser täglicher Begleiter des Alltags, um es in seinen Worten auszudrücken. In manchen Momenten muss man zurückstecken, weil der Partner nicht alles mit unternehmen kann. Manchmal treibt es einen zur Weißglut, hilflos zu sein und nichts gegen die Schmerzen des Partners unternehmen zu können. Genau wie in jeder anderen Beziehung schließen auch mein Freund und ich eine Menge Kompromisse. So sind wir uns zum Beispiel einig, die Welt zu bereisen, aber nicht auf einem Schiff, weil ich seekrank werde.

Letztendlich möchten wir mit diesem Artikel Mut machen. Jeder kann mit ein paar Kompromissen eine Beziehung führen. Macht euch bei Dates nicht so verrückt. Wenn jemand euch mag, dann genau so wie ihr seid – und nicht, wie ihr vorgebt, zu sein.

Karen Baltruschat, Bundesjugendsprecherin, Ausschussmitglied Junger Rheumatiker, Landesjugendsprecherin und Vorstandsmitglied in Bremen