Nicht in die Knie zwingen lassen!

Gordon Wolter schaffte es pünktlich zur WM 2006 aus dem Rollstuhl auf die Fanmeile, wo er Reiner Calmund traf. Foto privat
Gordon Wolter schaffte es pünktlich zur WM 2006 aus dem Rollstuhl auf die Fanmeile, wo er Reiner Calmund traf. foto privat

Eine Rheumaerkrankung raubt betroffenen Kindern und Jugendlichen so manche Träume und Hobbys. Wie lässt man sich davon nicht unterkriegen?

Rheuma begleitet mich seit meinem zweiten Lebensjahr. Ich habe die Diagnosen juvenile idiopathische Arthritis (JIA), Psoriasis-Arthritis, Fibromyalgie und Morbus Scheuermann. Anfangs hieß es „grenzwertig“ oder „Wachstumsbeschwerden“. Als aber nach zwei Knieverletzungen im Sportunterricht und anschließender Gelenkspiegelung die Probleme anhielten, wurde Rheuma endgültig Gewissheit. Danach musste ich Karate als Sport aufgeben.

2004 folgte eine weitere Knie-OP mit vier Wochen Krankenhaus und anschließender Teilzeit-Reha. Das hieß morgens bis mittags von sieben bis zwölf Uhr Schule und anschließend Rehabilitation bei der MD-Reha in Magdeburg, wo auch die Sportler des Olympia-Stützpunkts wieder fit gemacht werden. Das kam mir natürlich sehr zugute. Auch die Therapie im Deutschen Zentrum für Kinder- und Jugend- Rheumatologie in Garmisch-Partenkirchen wurde nun zu einer festen Größe in meiner Behandlung.

Raus aus dem Rolli!

2006 kam für mich ein Schock: Kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft bekam ich so einen massiven Rheumaschub, dass ich im Rollstuhl saß. Doch genau wie die Fußballer von Spiel zu Spiel, kämpfte ich mich aus dem Rollstuhl heraus. Mein Ziel war, zum Finale auf die Fanmeile nach Berlin ohne Rollstuhl zu gehen. Das habe ich geschafft! Mein persönlicher Erfolg wurde dadurch gekrönt, dass ich Reiner Calmund in Berlin getroffen habe und mit ihm fotografiert wurde. Dieses Foto (oben) ist für mich noch heute eine Riesenmotivation alles zu schaffen, was ich mir vornehme.

Wenn es mir gut geht, ist mir Sport sehr wichtig. Dann trainiere ich beim MLV Einheit Kleinfeld, wo ich jetzt 2. Torhüter bin. Gerade der Zusammenhalt im Mannschaftssport gibt mir viel Kraft und Ausgleich. Es ist für mich eine weitere Säule neben meinen Medis und der Krankengymnastik, damit es mir gut geht. Auch stärke ich dabei meine Muskulatur und Sehnen, die ja nach jeder OP gelitten haben. Wenn ich nicht spielen kann, was leider auch öfter vorkommt, dann stehen meine Teamkollegen trotzdem hinter mir. Ich unterstütze meine Mannschaft dann von der Seitenlinie aus.

Beruflicher Neustart

Nach zwei weiteren Knie-OPs in den Jahren 2009 und 2010 konnte ich meinen Beruf als Verkäufer im Multimedia-Bereich leider nicht mehr auf Dauer ausüben. Das zerstörte erst mal meine Zukunftspläne. Doch unterkriegen lassen war noch nie eine Option für mich.

Der Weg zurück war steinig, aber mit dem Team der MD-Reha, Freunden und Familie schaffte ich auch das. Nach einem beruflichen Neustart schließe ich demnächst meine Umschulung zum Personaldienstleistungskaufmann ab. Ich lebe nach dem Motto „Alles was mich nicht umhaut, macht mich nur noch stärker“. Dies gibt mir auch die Kraft für meine weiteren Hobbys. So fahre ich im Winter gern mal Ski: Die Begeisterung dazu wurde in Garmisch-Partenkirchen mit einem Skilanglauf-Kurs mit Physiotherapeuten im Rahmen des Behandlungskonzepts geweckt. Des Weiteren schule ich meine Koordination, Ausdauer und Geschicklichkeit beim Go-Kart-Fahren in der „Norddeutschen Kart-Trophy“.

Mein Fazit: Man sollte auch als Rheumakranker alles ausprobieren, wozu man Lust hat oder was einem Spaß macht. Auf keinen Fall sollte man sich von den Tagen, an denen man nur „Zuschauer“ ist, unterkriegen lassen! Denn die Portion Zufriedenheit und die Glücksgefühle, die erfüllte Hobbys uns schenken, gibt uns kein Medikament. Das Positive daran: Es hat keine Nebenwirkungen! 

Zum Autor

Gordon Wolter ist stellvertretender Landesjugendsprecher Bremen und Mitglied im Ausschuss der Jungen Rheumatiker.