Partnerschaft in Balance

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Wenn ein Partner eine rheumatische Erkrankung hat, stoßen Paare häufig auf Probleme: Wie viel Unterstützung braucht der Partner – und wie viel Selbstbestimmung darf er für sich einfordern? "mobil" sprach mit der Diplom-Psychologin Elke M. Freitag-Lange, die für junge Rheumatiker ein Seminar zu diesem Thema geleitet hat.

 

Gibt es typische Probleme in einer Partnerschaft, in der ein Partner eine rheumatische Erkrankung hat?

Kommunikationsprobleme sind immer ein großes Thema. Viele Partner von Menschen mit einer rheumatischen Erkrankung sind unsicher, wie sie mit der Erkrankung umgehen sollen: Sie möchten ihren Partner gern unterstützen. Doch den Betroffenen selbst ist es sehr wichtig, trotz ihrer Erkrankung möglichst selbstständig zu sein. Da ist es für beide Parteien manchmal schwierig, den „goldenen Mittelweg“ zu finden. Es hilft, wenn der Betroffene sich ganz klar artikuliert: In diesen Bereichen möchte ich gern Unterstützung bekommen, aber in anderen Bereichen komme ich sehr gut allein zurecht. Auch der nicht betroffene Partner sollte äußern, wenn er sich überfordert fühlt oder unsicher ist.


Wie sollten Paare miteinander kommunizieren?

Alle Paare sollten möglichst immer offen miteinander kommunizieren – aber wertschätzend. Der Partner ist kein Hellseher und kann auch keine Gedanken lesen! Das gilt übrigens für alle Partnerschaften und alle Kommunikationsebenen! Manchmal kommt es vor, dass zum Beispiel der erkrankte Partner nach Hause kommt und es ihm nicht gut geht, er aber in dem Moment erst mal nicht darüber sprechen möchte. Häufig versucht der nichtbetroffene Partner dann, herauszufinden, was los ist. Für diesen Fall hat sich ein Code-Wort oder ein Zeichen bewährt – das heißt dann: „Lass mich erst mal in Ruhe, ich komme zu dir, wenn ich reden möchte“.


Im Seminar haben die Partner einen Vertrag miteinander geschlossen. Was hatte es damit auf sich?

Ich bin der Meinung, dass etwas verbindlicher wird, wenn man es schriftlich formuliert. Das ist wie mit dem Kauf einer Immobilie oder eines Autos: Unterschreibt man einen Vertrag, bekommt etwas eine andere Wertigkeit. Genauso ist das mit Vereinbarungen, die man mit dem Partner trifft. Wir haben herausgearbeitet, was die Einzelnen in der Partnerschaft gern verändern und ausprobieren möchten – und schriftlich fixiert, was sie in den folgenden drei Wochen ausprobieren wollten.