Sport und Rheuma

Indra mit ihrer Urkunde als Spinning-Instruktorin

Hallo, mein Name ist Indra und ich bin 23 Jahre alt. Ich möchte euch in meinem Artikel etwas über meine Erfahrungen zum Thema Sport und Bewegung im Umgang mit Rheuma mitteilen. Was habe ich für Erfahrungen gemacht? Wie gehen die Mitmenschen damit um? Ist es überhaupt förderlich den Körper trotz der chronischen Erkrankung zu belasten?

Bei mir wurde vor ziemlich genau zehn Jahren juvenile idiopathische Athritis diagnostiziert. Bis dahin war ich ziemlich fidel und viel in Bewegung. Bei einem Handballturnier schwellte mein Knie an und nach mehreren Untersuchungen stand fest, dass es sich nicht um eine Prellung handelt, sondern Rheuma die Ursache ist. Mit einigen Höhen und Tiefen kam es leider zum Zeitpunkt meines Ausbildungsendes zu einem sehr starken Schub. Ich konnte kaum laufen, mich alleine anziehen und war im Alltag auf Hilfe angewiesen. Auch wenn die Schmerzen durch Medikamente betäubt wurden, war an Sport nicht mehr zu denken. Nach und nach wurde es besser und ich hatte den Drang mich mehr zu bewegen.

Ich fasste den Entschluss mich im Fitnessstudio anzumelden. Als der Tag kam und ich mein Probetraining absolvierte kam ich mir körperlich schwach vor. Alle älteren Menschen waren fitter und beweglicher. Von früher war ich diese Einschränkungen einfach nicht gewohnt. Ich wusste, dass es anstrengend werden würde, aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass es mir so schwer fallen würde. Ich hatte aber den Gedanken, dass es nach und nach wieder besser und leichter werden würde fest im Kopf fokussiert. Nach einigen Wochen kamen dann die ersten Erfolge. Die Gewichte konnte ich steigern und auch der Crosstrainer und ich wurden langsam Freunde. Ich nahm wieder etwas ab, wirkte straffer und ich wurde wieder beweglicher. Das Treppensteigen viel mir leichter und ich war agiler im Alltag unterwegs. Die Leute sprachen mich mittlerweile drauf an und das gab mir einen Motivationsschub. Durch kurze Rückschläge musste ich lernen, auf meinen Körper zu hören und damit umzugehen nicht immer 1000 % zu geben. Aber ich war froh mich überhaupt bewegen zu können.

Durch das Fitnessstudio kam ich dazu, mich bei einem Spinningkurs anzumelden. Viele Leute erzählten mir, wie sportlich man dafür sein müsste. Ich war zwar leicht abgeschreckt, aber als ich teilnahm, mache es mir unglaublich viel Spaß. Ich hatte eine Gruppensportart gefunden, die individuell auf jeden anwendbar ist und trotzdem Gelenkschonend. Nach dem Sport war ich zwar kaputt, aber die positive Resonanz der anderen Menschen, die Ergebnisse und das Gefühl an dem Tag etwas geschafft zu haben, machten mich einfach glücklich und motivierten zu mehr. Das ganze ist mittlerweile drei Jahre her und seit zwei Jahren bin ich selber Instruktorin und gebe regelmäßig Spinningkurse. Wenn ich meinen Teilnehmern erzähle, dass ich Rheuma habe, können Sie es kaum glauben, da ich so fit bin. Viele haben dann fragen dazu und es macht einen selber Stolz.

Meine Tipps:

  • Mute deinem Körper nicht zu viel zu. Wenn ein Schub da ist, schone deinen Körper und besprich dich vorher mit deinem Rheumatologen. Weniger ist am Anfang mehr.
  • Setz dir Grenzen.
  • Akzeptiere deinen Körper und höre auf ihn. Auch mit Rheuma bist du ein toller Mensch und kannst viel erreichen.
  • Lebe mit kleinen Einschränkungen. Auch eine große Reise fängt mit dem ersten Schritt an.
  • Lass dir von Trainern gezielt Übungen zeigen oder Sportarten empfehlen.
  • Und ganz wichtig: Habe Spaß dabei!