Ein „Gipfeltreffen“ der besonderen Art

BuJu 2015

Berlin verbinden die meisten zunächst mit Politik. Dass die Hauptstadt aber auch ein Ort des produktiven Zusammentreffens junger Rheumabetroffener aus ganz Deutschland sein kann, wissen nur die wenigsten.

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ So hörte man am 19. Juni 2015 26 junge Leute aus allen Ecken Deutschlands rufen. Huch, war etwa schon wieder WM? Nein, keineswegs, aber das Bundesjugendtreffen der Jungen Rheumatiker, der Jungen Bechterewler und der Jungen Lupusbetroffenen! Vom 19. bis 21. Juni gab es in Berlin-Adlershof jede Menge spannende Informationen und Aktivitäten rund um das Thema „Wir sind die Zukunft! Von A wie Achtsamkeit bis Z wie Zukunft – eigene Ressourcen erkennen und sorgsam mit ihnen umgehen“. So lautete das Motto des diesjährigen Bundestreffens Junger Rheumatiker, das dank finanzieller Mittel des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie von der MSD Sharp & Dohme GmbH realisiert werden konnte. Schon in der Eingangshalle des Tagungshotels gab es ein herzliches Willkommen: Viele kannten einander schon und freuten sich über das Wiedersehen, andere waren das erste Mal dabei. Die freundliche Atmosphäre setzte sich in der von der Bundesjugendsprecherin Karen Baltruschat geleiteten Begrüßungsrunde fort und nach dem auflockernden Einstiegsspiel war auch das letzte Eis gebrochen.

Austausch und Anregungen

Der Freitagabend stand dann ganz im Zeichen des gegenseitigen Austauschs: Es gab Informationen, welche Angebote andere Landes- und Mitgliedsverbände speziell für junge Betroffene haben, welche Möglichkeiten es auf der Ebene des Bundesverbands gibt und, natürlich, wie es anderen Gleichaltrigen mit ihrer Erkrankung ergeht. Schnell wurden Kontakte geschlossen und neue Ideen geschmiedet. Dies wurde dadurch besonders reizvoll, dass Junge Rheumatiker aus neun verschiedenen Landesverbänden ebenso anwesend waren wie junge Vertreter der Lupus-Erythematodes- Selbsthilfegemeinschaft und der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew.

Am Samstagmorgen vertrieb ein Aufwach-Bewegungsspiel den letzten Rest Schlaf aus den Augen und Gliedern der Teilnehmer. Wir hatten sogar die Ehre, dass uns ein Filmteam bei unserer morgendlichen Gymnastik und bei späteren Gelegenheiten begleitete und Aufnahmen machte. Das Team drehte eine Reportage über Rheuma und begleitete dazu eine Junge Rheumatikerin einige Zeit.

Kleine Achtsamkeitsschule

Das Thema des Vormittags lautete „Achtsamkeit“. Diplom-Psychologin Elke Freitag-Lange vermittelte der Gruppe erst einmal das „Einmaleins der Achtsamkeit“ in einem sehr ansprechenden und interaktiven Vortrag. Die vier Hauptbotschaften waren die bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit („energy flows where attention goes“), das Leben im Hier und Jetzt, die wohlwollende Akzeptanz von (unveränderbaren) Dingen und der Perspektivwechsel hin zum „Inneren Beobachter“. Außerdem wurden die positiven Effekte des Achtsamkeits - trainings auf die Schmerzempfindung angesprochen und der Mythos des Multitaskings entzaubert. Anschließend konnten wir Achtsamkeit mit Übungen noch ganz praktisch erfahren und so unsere eigenen Eindrücke mitnehmen.

Selbst gebaute Hilfsmittel

Nach der Mittagspause ging es mit Workshops weiter: Im ersten wurde unter Anleitung von Teilnehmerin Christine Martin fleißig gesägt, gebohrt, genäht und geklebt, denn die Kleingruppe konnte ihre eigenen Hilfsmittel gestalten, etwa ein Frühstücksbrett mit Hilfsvorrichtungen oder ein ergonomisch umgestaltetes Handtuch.

Wie man sich vorteilhaft präsentieren kann, lernten die Teilnehmer bei Elke Freitag-Lange im Workshop II. Im vertrauten Kreis konnte jeder üben, den „ersten Eindruck“ für sich zu nutzen. Lachyoga für Körper und Seele Und wenn aus einem Raum ein ansteckendes Lachen scholl, war das Workshop III: Lachyoga! Die Referentin Renate Lena Hannemann ließ uns mit zahlreichen LachyogaÜbungen die positiven und gesunden Effekte des Lachens am eigenen Leib erfahren. Für manch einen war das „Lachen auf Knopfdruck“ am Anfang zwar gewöhnungsbedürftig, aber am Ende hatten alle regelrecht Muskelkater vom vielen Lachen!

Nach dem leckeren Grillbüfett zum Abendessen hatten wir noch Gelegenheit, in einen Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurs hineinzuschnuppern: In gelöster Atmosphäre lernten wir von vier Trainern einer Berliner WingTsun-Schule zahlreiche einfache und praxisnahe Techniken, wobei auch der Spaß nicht zu kurz kam. Auch der zweite – und leider schon letzte – Abend klang mit angeregten Unterhaltungen und gemütlichem Beisammensein aus.

Schon leicht erschöpft, aber hoch motiviert starteten die Teilnehmenden in den Sonntag. Monika Mayer (Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband), die das Bundesjugendtreffen mitgeplant und geleitet hatte, berichtete über die Jugendarbeit der Rheuma-Liga, über Angebote und aktuelle Projekte. Im Anschluss stellte Prof. Erika Gromnica-Ihle, die Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, die aktuelle Kampagne „Selbstbestimmt leben – Gesellschaft verändern“ vor. Nach einer Gesprächsrunde mit der Präsidentin taten wir noch etwas für unseren Glückshormon-Haushalt: Frau Hannemann erläuterte für alle noch einmal die in jeglicher Hinsicht gesunde Wirkung des Lachens, auch im Hinblick auf die Krankheitsbewältigung und die Stärkung von Selbstheilungskräften. Mit Übungen zum Mitmachen zeigte sie, wie man Lachen „trainieren“ kann.

Gestärkte Ressourcen

Doch leider konnte uns das Lachen nicht ganz über den Wehmut des bevorstehenden Abschieds hinwegtäuschen. Die Abschlussrunde machte deutlich, wie gut das Wochenende allen gefallen hat, wie viel Positives auch für die Arbeit im Landesverband mit nach Hause genommen werden kann und dass sich alle schon auf ein baldiges Wiedersehen freuen, sei es bei der Bundeskonferenz 2016 oder der BuJu 2017. So machten wir uns also – getreu dem Motto – mit gestärkten Ressourcen auf die Heimreise.