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Ines – chronisch im Amt

Ines Brodbeck

Wohnort: Böblingen
Alter: 37 Jahre
Beruf: Verwaltungsangestellte
Rheuma: rheumatoide Arthritis

 

Ines Brodbeck sitzt an ihrem Schreibtisch – mit Blick in den Innenhof des Landratsamts von Böblingen. Es regnet. Ihre rechte Hand liegt auf einem großen Taschenrechner, während ihr Blick in den Tabellen auf dem Computerbildschirm die Zahlen sucht, die sie eingeben möchte. Die 37-Jährige ist Verwaltungsangestellte in der Rechenstelle des Sozialamts. Sie prüft Rechnungen von Behinderteneinrichtungen. „Ich überprüfe zum Beispiel, ob die für Leistungen angegebenen Tage korrekt sind. Oder ich weise Sozialversicherungsbeiträge, Fahrtkosten und ähnliches an“, erklärt Ines.

Grad der Behinderung von 80 durch Rheuma

Ines hat einen Grad der Behinderung von 80 durch ihre rheumatoide Arthritis. Mit fünf Jahren ist sie erkrankt – mit weitreichenden Auswirkungen für ihren Lebensweg. Weil das Rheuma zum Beispiel ihr Sprunggelenk so stark angegriffen hat, dass sie nur unter starken Schmerzen laufen konnte, wurde es versteift. „Dadurch komme ich nicht mehr auf die Zehen, das merke ich, wenn ich Akten oben aus dem Schrank holen möchte.“ Sie hat auch ein versteiftes Handgelenk und eine künstliche Hüfte. „Klar, bei mir ist das Rheuma immer präsent, aber ich habe mich schlicht dran gewöhnt. Ich gucke, was je nach Tagesform geht“, sagt sie.

Arbeitszeitreduzierung durch Minderleistungsausgleich

In der Regel beginnt ihre 35-Stunden-Woche zwischen 8.30 und 9 Uhr. „Nur“ 35 Stunden statt 39 sind es aufgrund ihrer Behinderung, ihr Arbeitgeber erhält dafür einen Minderleistungsausgleich vom Integrationsamt. In ihrem Büro hat sie in Absprache mit ihren Vorgesetzten auch die Rahmenbedingungen geschaffen, um trotz des Rheumas am Arbeitsleben aktuell und in Zukunft teilhaben zu können. „Ich habe aktiv nach einem höhenverstellbaren Schreibtisch gefragt, nach einer ergonomischen Tastatur und nach einem Parkplatz nahe des Fahrstuhls, denn das Treppengehen fällt mir schwer“, erklärt sie. Für die gelungene Lösung zur beruflichen Einbindung haben Ines und das Landratsamt Böblingen 2018 sogar den Rheuma-Preis der Initiative RheumaPreis erhalten.

Ergonomische Tastatur, verstellbarer Schreibtisch

Ines meint, dass eine leichte Bürotätigkeit vielen möglich ist. „Mir würde zu Hause die Decke auf den Kopf fallen. So bin ich glücklich, dass ich selbst etwas für meine Rente tun kann. Es ist eine sichere, unbefristete Stelle. Und bei der Bewerbung war mein Rheuma erstmals in meinem Leben von Vorteil“, sagt Ines.


Interview mit Ines’ Vorgesetztem Ralf Keller

Ralf Keller, der Vorgesetzte von Ines im Amt für Soziales des Landratsamts Böblingen, ist der Überzeugung, dass seine Mitarbeiterin durch ihre eigenen Einschränkungen ein besonderes Verständnis für Menschen mit Behinderung hat.

Herr Keller, als öffentlicher Arbeitgeber haben Sie bei Ines Brodbeck Bewerbung gewusst, dass sie an Rheuma leidet. Hatten Sie eine Vorstellung, was an Rheuma erkrankt zu sein bedeutet, welche Einschränkungen damit einhergehen können?

Frau Brodbeck hatte mich im Zuge des Bewerbungsverfahrens offen über ihre Erkrankung Rheuma informiert. Dadurch habe ich eine gewisse Vorstellung von den damit einhergehenden Einschränkungen erhalten.

Sehen Sie Vorteile ihrer Erkrankung für ihre tägliche Arbeit?

Da Frau Brodbeck im Bereich der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung arbeitet, hat Frau Brodbeck durch ihre eigenen Einschränkungen ein besonderes Verständnis für den Personenkreis der Menschen mit Behinderung.

Sehen Sie auch Nachteile? Fehlzeiten etc.?

Etwas überdurchschnittlich krankheitsbedingte Fehlzeiten.

Wie finden Sie, dass Ines mit ihrer Erkrankung umgeht?

Frau Brodbeck geht offen und transparent mit ihrer Erkrankung um, was ich als positiv empfinde.

Lest hier, wie sich Ines` Arbeitsleben verändert hat. 

Alle chronischen Talente

Wir haben nicht nur bei Ines hinter die beruflichen Kulissen geschaut. Unsere Einblicke in den Arbeitsalltag der anderen fünf chronischen Talente findet ihr hier.