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Mara – chronisch gut organisiert

Mara Kaldeweide

Wohnort: Enschede
Alter: 26 Jahre
Beruf: Projektmanagerin im Bereich Gesundheit und IT
Rheuma: Juvenile idiopathische Arthritis

 

 

Eine Schüssel mit Erdbeeren und Pfirsichen neben der Tastatur ist das einzige, was Mara Kaldeweides Arbeitsplatz in dem hellen Raum von den anderen ringsum unterscheidet. Über diese Tastatur fliegen ihre Finger, während sie über Headset telefoniert – auf englisch, fließend. Die 26-Jährige, die in Münster aufgewachsen ist, legt auf, wendet sich ihrer Kollegin zu und sagt lachend etwas zu ihr – auf niederländisch, fließend. „Das Switchen zwischen den Sprachen fällt mir nicht schwer“, sagt sie. Die junge Frau ist seit 2018 Projektmanagerin im Bereich Gesundheit und IT bei dem niederländischen Software-Entwickler MRDM – es ist ihre erste Arbeitsstelle. Sie arbeitet meist in Deventer, aber einmal in der Woche auch in Enschede, einer Kleinstadt hinter der deutsch-niederländischen Grenze. Hier lebt sie, hier hat sie auch schon studiert, ihren Bachelor und Master in Gesundheitswissenschaft abgelegt.

Arbeiten im Homeoffice möglich

„Ich arbeite nicht nur einmal in der Woche in Enschede, sondern am öftesten in Deventer, dem Hauptstandort unseres Unternehmens und ich bin viel im ganzen Land bei Kunden unterwegs. Manche Gespräche führt man besser in Reallife als über Google Hangout. Im Homeoffice kann ich ebenfalls arbeiten“, sagt sie. Letzteres ist praktisch – vor allem, wenn das Rheuma doch mal aktiver ist, wie im Moment: „Ich habe in den Füßen Beschwerden.“ Mara bekam Rheuma, genauer Juvenile idiopathische Arthritis (JIA), als Jugendliche: „Ich war gerade mit meinen Eltern in Berlin, als ich mich nicht mehr bewegen konnte, alles tat weh, sogar der Kiefer“, erinnert sie sich an die ersten Symptome.
In der Zwischenzeit ist sie medikamentös gut eingestellt. „Man sieht mir mein Rheuma auch nicht an“, sagt sie. Aber das Sitzen fällt ihr schwer, vielmehr das Wiederaufstehen. „Dann bin ich erstmal steif und muss mich wieder einlaufen. Aber ich kann jederzeit im Stehen arbeiten.“

Projektbetreuung von Apps für Patienten

„Aktuell betreue ich ein Projekt, in dem eine App für Patienten mit Hämophilie entwickelt wurde, die nun in der Testphase ist. Es ist so etwas wie ein digitales Tagebuch für Patienten, auf das auf deren Wunsch auch Ärzte oder Pflegepersonal Zugriff haben. Ich bin die Schnittstelle zwischen dem Servicedesk, bei dem Bluter anrufen, wenn etwas nicht so funktioniert, wie sie es sich vorstellen, und den Entwicklern der App“, sagt sie. Sie muss die App selbst gut kennen, einschätzen können, was wiederum die User können, was sie wissen und was nicht.

Bei Bewerbung offen mit Rheuma umgegangen

Mit ihrem Rheuma ist Mara bei ihrer Bewerbung offen umgegangen: „Ich habe geschrieben, dass ich mich durch meine eigene Erkrankung gut in Patienten hineinversetzen kann und ehrenamtlich in der Deutschen Rheuma-Liga engagiert bin. Ich wünsche mir, dass junge Rheumatiker ernst genommen und nicht in die Schublade ,gehandicapped und erwerbsunfähig’ gesteckt werden“, sagt sie. Bei MRDM ist dieser Wunsch für sie in Erfüllung gegangen.

 

Interview mit Maras Vorgesetztem Wouter van Dijk

Wouter van Dijk, Maras Vorgesetzer bei MRDM, sieht Ihre Erkrankung nicht als Nachteil im Arbeitsalltag, sondern ihre Erfahrungen daraus als positiv für alle im Unternehmen.

Herr van Dijk, sehen Sie Vorteile von Maras Erkrankung für ihre tägliche Arbeit? Z.B. besseres Einfühlungsvermögen für die Projekte von MRDM?

Ja. MRDM ist im Gesundheitswesen tätig, wir liefern Einblicke in Pflege-Ergebnisse für mehrere Stakeholder (z.B. Patienten, Krankenhäuser). Mara kann helfen – und uns manchmal daran erinnern –, sich auf die Perspektive des Patienten zu konzentrieren bzw. sich derer bewusst zu sein.

Wie würden Sie eine längere Fehlzeit von Mara Kaldeweide kompensieren?

Wir arbeiten mit einem Buddy-System in unserem Unternehmen, das uns helfen kann, wenn Mara für eine längere Zeit abwesend wäre.

Würden Sie immer wieder jemanden mit chronischer Erkrankung einstellen?

Ja. Aber natürlich in Abhängigkeit davon, welche chronische Krankheit es ist und was für Einschränkungen diese für die tägliche Arbeit mit sich bringt.

Was würden Sie anderen Arbeitgebern empfehlen, die noch überlegen, ob sie überhaupt jemanden mit Rheuma einstellen möchten?

Wenn die Person einen Mehrwert für die Organisation schafft, stellen Sie sie einfach ein und stellen Sie sicher, dass Sie sich der Vor- und Nachteile bewusst sind und wie Sie damit umgehen können.

Lest hier, wie sich Maras Arbeitsleben verändert hat. 

Alle chronischen Talente

Wir haben nicht nur bei Mara hinter die beruflichen Kulissen geschaut. Unsere Einblicke in den Arbeitsalltag der anderen fünf chronischen Talente findet ihr hier.